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W O R T B I L D W E C H S E L

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> DAS PROJEKT

> DAS BUCH

> FOTOS WUK MÄRZ 2015

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Format: 24 x 24 cm, 64 Seiten, vierfärbig, Broschur

Verlag: Bibliothek der Provinz

ISBN 978-3-99028-437-7

Preis: € 23,-


WIE DIESES BUCH ENTSTAND

Auf Initiative unserer Gruppe „13 Strich Illustration“ kommunizierten von Jänner bis Juli 2014 elf Illustrator/innen und zwölf Autor/innen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen – in zwei parallelen Strängen und in einer vorher ausgelosten Reihenfolge – abwechselnd über Bilder und Texte, ohne darüber Gespräche zu führen. Indem wir ohne inhaltliche Vorgabe „Stille Post“ mit Bildern und Texten spielten, wurde sichtbar, wie sich Inhalte im Wechsel von Bild/Text und Text/Bild nahezu endlos verändern. Das Betrachten eines Bildes und Lesen eines Textes inspirierte wiederum zu neuen Geschichten und Bildern. Jede und jeder der Illustrator/innen und Autor/innen kannte nur die direkt vorangegangene, zu interpretierende Arbeit. In der Ausführung waren alle völlig frei. Jede Person hatte eine Woche Zeit für ihre Arbeit. Die Originale wurden gescannt oder fotografiert und per E-Mail an die nächste Person geschickt. Erst nach Abschluss dieses Experiments lag das Gesamtergebnis am Tisch, das in diesem Buch in chronologischer Reihenfolge abgebildet ist.


 

Begleitworte von Heidi Lexe

Literatur ist immer Teil von dialogischen Prozessen. Autorinnen und Autoren erschaffen ihren je individuellen Text als Kunstwerk. Bereits dieser Schaffensprozess impliziert einen Dialog mit bereits existierenden Texten unterschiedlicher literarischer Traditionen. Im Dialog mit ihren Leserinnen und Lesern entstehen diese je individuellen Texte dann neu: Sie verändern sich durch unterschiedliche Lesarten ebenso wie durch Kritiken oder Interviews. Werden Texte illustriert, geht diesen Rezeptions- und Lektüreprozessen ein weiterer Dialog voran: jener zwischen Text und Bild, respektive Bild und Text. Werden Texte und Illustrationen zueinander gestellt oder sogar konstitutiv aufeinander bezogen (wie zum Beispiel in der Kunstform Bilderbuch), können sie im Lektüreprozess getrennt voneinander betrachtet werden. Ihr Erzählen wird durch ihr

Miteinander bestimmt. Das hier vorliegende Projekt geht über diese Grundkonstellationen hinaus: Im literarischen Spiel werden Dialogprozesse bereits in den künstlerischen Schaffungsprozess integriert und im Erscheinungsbild des Buches offengelegt. Ein Text / Bild entsteht aus dem jeweils vorangegangenen, nimmt Bezug, greift Motive auf, spinnt sie weiter und führt sie in einen je neuen künstlerischen Zusammenhang über. Dabei entsteht nicht nur ein Dialog, sondern vielmehr ein polyphones Miteinander von Sprach- und Bild-Assoziationen, die einander ebenso bedingen wie weiterführen, die einander entkoppeln und erden. Dieses Ineinandergreifen der Beiträge dient als Konstante des Projektes; andere, in literarischen Werken übliche Kontinuitäten werden hingegen gebrochen – zum Beispiel jene des Sprach- oder Illustrationsstils oder jene der äußeren Form. Jeder Beitrag folgt dem künstlerischen Charakter seines Autors oder seiner Autorin, seines Illustrators oder seiner Illustratorin; und zeigt damit die ästhetische Vielfalt der Gruppe. Doch erst aus dem Miteinander resultiert jenes Spannungsmoment, durch das das Gesamtkunstwerk bestimmt wird.

Die Künstlergruppe „13 Strich Illustration“ beschreitet damit Buch-Pfade, die kaum ausgetreten sind; zu wünschen bleiben ihr für diesen verschlungenen Weg jene Leserinnen und Leser, die ihrerseits Lust haben, das Spiel der Assoziationen im Lektüreprozessvoranzutreiben.

 

Heidi Lexe

Heidi Lexe ist Literaturwissenschaftlerin und/oder Leiterin der STUBE – Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur und/oder Lektorin am Institut für Germanistik der Universität Wien